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AgeTech & Altenpflege - Ein Bällebad der Gefühle

In Essen trafen sich vom 26.-28 April über 500 Aussteller aus der Pflegebranche. Eine großartige Chance, um endlich mal wieder offline im direkten Austausch zusammenzukommen und über Gefühle zu sprechen

Von

Fabienne Lang

am

2.5.2022

Welche Rolle Emotionen im Zusammenhang mit AgeTech spielen hat Fabienne auf der Leitmesse “Altenpflege” in Essen erkundet

Was treibt eine AgeTech-Enthusiastin wie Dich auf die Altenpflegemesse?

Zum einen wollte ich mindestens zwei Gewinner der #Startupchallenge2022 wie enna und Dexter Health bei der Preisverleihung auf der Bühne sehen und persönlich beglückwünschen. Außerdem ist Altenpflege auch ein AgeTech-Thema, das mir auch persönlich sehr wichtig ist.

Für viele ist das Thema Altenpflege nichts, mit dem man sich gern beschäftigt. Wie siehst du das?

Das stimmt. Meine Oma sagt immer: „Werd‘ nicht alt!“ Aber wer nicht alt wird, muss jung sterben, und das wollen wir auch nicht, oder? Ich habe mich gefragt, was Pflege eigentlich ist, wie sichtbar sie sein muss und warum ich, wenn ich über das Wort nachdenke, keine positiven Gefühle entwickle. Und ich wollte herausfinden welche Gedanken und Antworten die Aussteller & Besucher auf der Messe dazu haben.

Und, hat die Messe das geschafft?

Ja, zum Teil schon, weil die Stimmung wirklich großartig war.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Bällebad vom Pflege-Softwareanbieter MEDIFOX DAN. Ich gebe offen zu, dass ich zu Beginn der Messe am Dienstag nicht gedacht hätte, dass ich es ausprobieren würde, aber es kam dann anders: Egal was am Ende der Grund für den Sprung in das Bällebad war, es steht im Nachhinein betrachtet für mich vor allem für eine Art von einem positiven Lebensgefühl, das auf der Messe nicht häufig im Mittelpunkt gestanden hat und was ich persönlich in meinem Leben zu keinem Zeitpunkt missen möchte.

Mich hat auch erstaunt, wie gut die einzelnen Akteure miteinander vernetzt sind und wie groß das Interesse der Aussteller auch aneinander war. Obwohl es insgesamt mehr als 500 Aussteller gab, hat es sich schon fast ein bisschen familiär angefühlt.

Natürlich gab es auch eine Abendveranstaltung, die möglicherweise auch zu der ein oder anderen Verspätung der Aussteller am Morgen des Folgetages geführt hat ;)

Und inhaltlich?

Es gab viel Inspirierendes. Ein Beispiel: Tim Haug (einer der Gründer von enna) hat in einer Paneldiskussion zur Frage “Wo siehst du die Pflege in fünf Jahren?”  betont, dass die Familien wieder enger zusammenrücken und damit auch wieder stärker im Mittelpunkt stehen werden. Inspiriert hat mich die Aussage vor allem auch deswegen, weil ich als pflegende Angehörige selbst sehr gut weiß, dass Pflege immer auch etwas ist, was uns sehr viel abverlangt. Wir vergessen dabei manchmal, dass es häufig die kleinen Dinge sind, die uns glücklich machen. Egal ob es ein gemeinsames, vielleicht sogar nur virtuelles Kaffeetrinken oder Abendessen ist oder ob es die Fotos vom letzten Urlaub sind, die wir uns gemeinsam ansehen. Pflege muss nicht zwingend Aufopferung heißen, sondern sollte vielmehr die Antwort auf die Frage sein “Wie können wir (unseren Bedürfnissen entsprechend) füreinander da sein?”

Welche Rolle spielt Technik in der Branche?

Für viele, mit denen ich sprechen konnte, sind der steigende Fachkräftemangel und der geringe Digitalisierungsgrad in den Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen eine große Herausforderung. Technologien spielen also genau dort eine wichtige Rolle. Wir müssen mehr Zeit und Raum für Nähe und Begegnungen schaffen und Technologien entwickeln und etablieren, die pflegende Personen als Unterstützung verstehen, annehmen und bedienen können, diese bei Bedarf entlasten und gleichzeitig eine hohe Lebensqualität für zu pflegende Personen erreichen. Dabei muss aber auch die Integration der Technologien in den Pflegealltag für alle Beteiligten handhabbar sein.

Wirklich schöne Beispiele hierfür sind u.a.:

- Enna – Das erste haptische Bedienkonzept
- Dexter Health – Der Sprachassistent für die Pflege
- MEDIFOX DAN – Softwarelösungen für die Pflegebranche
- Nui – Die App zur Unterstützung für pflegende Angehörige im Pflegalltag
- memoresa - Online-Plattform & App für Nachlassplanung, Notfallvorsorge und digitale Ordnung
- BringLiese – Die digitale Einkaufsassistenz
- CareTable – Der digitale Aktivitätstisch

Welche Aufgaben siehst Du generell für AgeTech-Entwickler?

Ich persönlich glaube, dass jeder AgeTech-Entwickler immer dann die perfekte Lösung entwickelt, wenn er es schafft, dass AgeTech nicht nur eine technische Lösung für ein Problem ist.

AgeTech sollte vor allem auch der Zugang zu einem positiven Lebensgefühl sein, der es schafft dieses in jedem Lebensabschnitt zu empfinden, der in der Lage ist die Angst vor dem Älterwerden zu nehmen und damit auch dazu beiträgt, dass die Stigmatisierung in diesem Zusammenhang mindestens reduziert und im Idealfall ganz beseitigt wird.

AgeTech ist aber auch etwas, was wir alle gemeinsam vorantreiben, mitdenken und mitentwickeln sollten und können, weil es uns alle betrifft. Das Altwerden sollte ein Vergnügen sein und auch als solches empfunden und gelebt werden. Wichtig ist, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und dass eine gute Lösung nur so gut ist, wie die Emotionen, die diese beim Endnutzer erzeugt.

Die 4. AgeTech-Konferenz dieses Jahr in Chemnitz, im September, steht unter der Überschrift „The Pleasure of Aging“. Wie reagierten Deine Gesprächspartner auf der Altenpflegemesse, wenn Du von Pleasure of Aging gesprochen hast?

Ich habe die Menschen fast ausnahmslos lächeln sehen. Ich glaube das ist ein gutes Zeichen… ;-)

Hast Du AgeTech gesehen, die im Pflegebereich zum Pleasure of Aging beiträgt?

Das habe ich. Aber ich möchte auch noch gar nicht zu viel verraten. Fakt ist, ich werde bei MEDIFOX DAN anfragen, ob wir uns das Bällebad ausleihen dürfen.

(P.S.: Liebes MEDIFOX DAN Team, solltet ihr das hier lesen, meldet euch gern bei mir ;)

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