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Von Büffelherden und Porschefahrern: Die erste AgeTech Innovation Night zu Gast in München

Zum Auftakt unserer Event-Reihe "AgeTech Innovation Nights" waren wir am 31. März in München. Wir diskutieren über Herausforderungen und Trends im Umfeld von AgeTech - nach dem Mott: Zuhören, lernen, gestalten, umsetzen.

Von

Fabienne Lang

am

1.4.2022

AgeTech zum Anfassen kann kein Digitalevent ersetzen. Endlich wieder einmal! Zum Auftakt unserer neuen Event-Reihe waren wir am 31. März in München. Die einmaligen Räumlichkeiten von enna systems auf der Praterinsel im Herzen der bayrischen Landeshauptstadt – waren der perfekte Ort für die erste „AgeTech Innovation Night“ von enna systems und dem Q-HUB. Thematisch ging es um Herausforderungen und Trends im Umfeld von AgeTech und wie man die Zielgruppe 55+ anspricht. Garanten für eine spannende Podiumsdiskussion waren Dr. Jens Heidenfelder (W. L. Gore & Associates), Tino Krause (Meta Platforms), Julia Schabert (Heimkapital), Stephanie Hollaus (ipsos) und Thomas Bily (Digital Age Marketing). Kompetent durch die Diskussion führte Dominik Hoffmann, einer der renommiertesten Marketing-Podcaster Deutschlands. Tino Krause, Europachef von Meta, unterstrich gleich zu Beginn die Bedeutung von AgeTech für eine lebenslange gesellschaftliche Teilhabe. Neue technische Möglichkeiten wie das Metaverse seien vor allem digitale Orte, an denen Bildung, Kunst und Kultur gedeihen könnten. Auf diese Weise helfe Technologie, Einsamkeit zu überwinden und persönliches Wachstum zu erzielen.

Gute AgeTech braucht ein tiefes Zielgruppenverständnis

Einig war sich die Runde auch darüber, noch zu wenig über die Bedürfnisse älterer und alter Menschen zu wissen. Zwar haben Marktforscher die Zielgruppe der „Silver Ager“ fest im Blick. Dennoch fehlt es vielen Unternehmen an einem tieferen Verständnis für diesen Adressatenkreis. Oft werden „Silver Ager“ als zahlungskräftige Kundschaft gesehen, die sich im Ruhestand ihren Traum vom Porsche erfüllen möchte. Die Runde plädierte dafür, älteren Menschen zuzuhören, sie vor allem aktiv in die Entwicklung neuer Angebote einzubeziehen. Marketingexperte Thomas Bily beschrieb die Zielgruppe sinnbildlich als „Büffelherde“: Ältere Menschen folgten im Gegensatz zur Zielgruppe der 18- bis 25-Jährigen nicht sich monatlich verändernden Trends. Deshalb werden Marken mit einer höheren Loyalität belohnt, die an einem ernsthaften Austausch mit älteren Menschen interessiert sind und mit Beständigkeit Kundenwünsche befriedigen. Dass Co-Creation und ein gemeinsames Innovationsmanagement zu Erfolgen führen würde, betonte auch Jens Heidenfelder von Gore. Der Polymer- und Textilspezialist innoviert gemeinsam mit seiner Zielgruppe. Dieser generationenübergreifende Dialog wird mit neuen Einsichten belohnt. Wichtig seien nicht nur die Bedürfnisse, sondern auch die Prioritäten, die ältere Menschen im Alltag setzen. Wie Technologien bestmöglich zu den Bedürfnissen älterer Menschen passen, dies sei die spannende Frage. Julia Schabert erläuterte am Beispiel ihres Startups Heimkapital, welche kreativen Möglichkeiten die Digitalisierung dabei bietet – und dies gleich in doppelter Hinsicht: Die Münchner FinTech- und Immobilienexperten erwerben Teile von Häusern und Grundstücken. Das Finanzprodukt eröffnet damit älteren Menschen neue finanzielle Spielräume für ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden. Im Anschluss an die Diskussionsrunde präsentierten weitere Startups ihre AgeTech-Lösungen: darunter der Kooperationspartner des Events, enna systems, mit einem haptischen Bedienkonzept für digitale Inhalte, außerdem memoresa, ein digitales Nachlass-Management, und aephus, das Lifestyle- und Schmuck-Startup, das Design mit dem „Internet of Things“ verbindet.

Zuhören, lernen, gestalten, umsetzen

Nicht alles, was technisch möglich ist, wird auch akzeptiert. Auch bei AgeTech gilt: Gut gemeint ist nicht immer gleich gut gemacht – zumindest aus Sicht der Zielgruppe. Für viele Unternehmen ist es deshalb noch ein weiter Weg, ältere Menschen gezielt in die Entwicklung ihrer Produkte aktiv und frühzeitig einzubinden. Hierbei tut sich ein Spannungsfeld auf: zwischen Individualisierung auf der einen und Standardisierung auf der anderen Seite. Letztlich müssen neue Angebote auch finanzierbar sein.

Dr. Mario Geißler, Gründer von Q-Hub und Initiator der AgeTech Community, war zufrieden: „Wir haben gesehen, wie wichtig es ist, sich intensiv mit der Zielgruppe zu befassen und Technik aus ihrer Perspektive zu denken. Wir haben auch wahrgenommen, wie die Branche den Austausch untereinander schätzt, wie sehr das die Kreativität beflügeln kann. Zuhören, lernen, gestalten, umsetzen – auf diese Weise lässt sich faszinierende AgeTech erfinden, die uns nicht nur ein langes, sondern auch ein gutes und selbstbestimmtes Leben ermöglicht.“

In diesem Fahrwasser geht es weiter: Geplant sind noch weitere AgeTech Innovation Nights in Deutschland.

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